Katholische Kirche : Tausende Fälle von Kindesmissbrauch in Australien

ZEITONLINE

Seit 1950 sind in der katholischen Kirche von Australien mindestens 4.440 Kinder sexuell missbraucht worden. Hilfe erhielten die Betroffenen in den seltensten Fällen.

Protest gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche © Alessandro Bianchi/ReutersIn Australien sind im Zeitraum von 1950 bis 2009 insgesamt 4.440 Kinder in katholischen Orden und von Priestern missbraucht worden. Das geht aus einer Erhebung der nationalen Missbrauchskommission hervor. Demnach sind in den Orden bis zu 40 Prozent der Mitglieder betroffen. Bei den Priestern sollen rund sieben Prozent in Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verwickelt gewesen sein.

Der Untersuchung der Kommission zufolge lag das Durchschnittsalter der betroffenen Kinder bei etwa elf Jahren. Mit 90 Prozent seien Jungen die mit Abstand größte Gruppe.
In den meisten Fällen seien die Anschuldigungen folgenlos geblieben, sagte Gail Furness, leitende Rechtsanwältin der Kommission laut australischen Medienberichten. “Kinder wurden ignoriert oder, schlimmer noch, bestraft. Vorwürfe wurden nicht untersucht. Die Gemeinden oder Gemeinschaften, in die Beschuldigte versetzt wurden, wussten nichts von deren Vergangenheit.”
Anthony Fisher, Erzbischof von Sydney, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme schockiert über die Ergebnisse. “Was die Kommission bisher herausgefunden hat, ist grauenvoll.” Er und die Kirche bedauerten die Verfehlungen der Vergangenheit, die so viele Opfer hinterlassen hätten. “Wir Katholiken schämen uns.” Fisher wies jedoch darauf hin, dass es im Missbrauchsbericht um Anschuldigungen und angebliche Täter gehe. Es werde nicht zwischen unbestätigten Vorwürfen und rechtlich geklärten Vorgängen unterschieden.
Vertreter der Betroffenen warfen der katholischen Kirche dagegen vor, dass die Zahlen allenfalls die Untergrenze der Übergriffe abbilden würden. In Wahrheit sei die Zahl der Opfer wahrscheinlich deutlich höher. “Die Kirche hat viele Fälle vertuscht, so wie sie es seit 2.000 Jahren tut”, sagte Bernard Barrett, der mit anderen seit Jahren die Missbrauchsfälle dokumentiert, dem Guardian.

 

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